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Züchterabend 2020 mit Dr. Axel Brockmann, Landgestüt Celle

Züchterabend mit Landstallmeister Dr. Axel Brockmann am 14.02.2020 in Wensin

„Züchten für den Markt, züchten für den Sport – ein Widerspruch?“ lautete das Motto des diesjährigen Züchterabends des Hannoveraner Vereins Schleswig-Holstein. Dr. Brockmann war ein interessanter, unterhaltsamer Referent, der das Thema in einem lehrreichen Vortrag facettenreich anging und die anschließende Diskussion hervorragend moderierte.

„Was bedeutet überhaupt Sport“ war die einleitende Frage. Die Bandbreite erstreckt sich vom Basissport bis zum Profi- oder Championatsreiter. Nur etwa 1% macht der Spitzensport aus. Trotzdem ist seine Wahrnehmung hoch mit entsprechender Werbewirksamkeit für die Herkunftszuchtgebiete. Hier hat Hannover vor allem gegenüber Holland und Belgien in den vergangenen Jahren an Boden verloren. Allerdings werden - in den häufig zum Maßstab genommenen WBFSH-Ranglisten - international vermarktete Hengste mit großer Nachkommenzahl begünstigt.

Als Hannover bei seinen Körungen noch das „Celler-Lot“ hatte, war es in einer komfortablen Situation. Damals wurden die Junghengste im 300-Tage-Test bzw. 100-Tage-Test noch richtig selektiert. In Doktorarbeiten wurde der Zusammenhang damaliger Prüfungsleistungen mit Sporterfolgen der Nachkommen wissenschaftlich nachgewiesen. Heute schafft man im 14-Tage-Test die Mindestnoten ab und überlässt die Entscheidung für einen Junghengst allein dem Züchter. Eine wissenschaftliche Untersuchung, ob das heutige mehrstufige Prüfungssystem eine ebenso solide Vorhersage der Nachkommen-Sporterfolge erlaubt, liegt bisher nicht vor.

Holländer und Belgier bedienen sich in viel stärkerem Maße moderner Tierzuchtmethoden wie z. B. Embryotransfer. Dies ermöglicht eine gleichzeitige Prüfung der Mutterstuten im Spitzensport mit entsprechender Leistungsaussage für die Zucht. Besonders im Springsport hat man hohe Erblichkeiten der Merkmale Vermögen und Manier und kann somit durch Anpaarung besonders erfolgreicher Individuen einen hohen Zuchtfortschritt erzielen. In der Dressurpferdezucht sind die Merkmale komplexer und die Erblichkeiten entsprechend geringer. Im Gegensatz zu Spitzen-Springstute x Spitzen-Springhengst = Spitzen-Zuchtprodukt funktioniert dieses Rezept in der Dressurpferdezucht keineswegs mit der gleichen Sicherheit und Zuverlässigkeit.

Wichtig ist, dass sich der Züchter entsprechend seinen Möglichkeiten eine persönliche Marktnische sucht, um danach seine Hengstwahl auszurichten. Früher lebte man in Hannover in hohem Maße vom Fohlenverkauf. Das garantierte kurzfristigen Gewinn bei minimalem Risiko. Dieser Absatzmarkt ist heute wesentlich schmaler geworden und viel weniger Züchtern gelingt es, auf diesem Wege ihre Zuchtprodukte zu verkaufen. Im Vorteil sind diejenigen, die selbst aufziehen und selbst ausbilden können. Sie können ihre Pferde länger halten, sie bis in höhere Klassen fördern und entsprechend hochpreisiger vermarkten. Auch hier muss man sich fragen, wieviel Geld man in ein Pferd investieren kann. Der Züchter muss die Möglichkeit einbeziehen, dass das Pferd z. B. 6-jährig nicht die Erwartungen erfüllt oder krank wird und sich der Einsatz am Ende als Fehlinvestition erweist. Kann man so etwas verkraften? Oder sollte man sich früher zu einem bescheideneren Kurs von ihm trennen? Welche reiterliche Kompetenz steht im direkten Umfeld zur Verfügung? Kontakte zu den örtlichen Reitervereinen sind hilfreich und können den Zugang zu verschiedenen Käuferkreisen erschließen. Auch ein versierter Umgang mit dem Internet eröffnet manche Verkaufsmöglichkeit.

In der Diskussion ging es u. a. um allgemeine Gesundheitsfragen, Haltbarkeit, den Stellenwert des Röntgens, Genetik und Umweltfaktoren im Hinblick auf Knochengesundheit, Veränderungen des Kundenverhaltens, Wertewandel in der Gesellschaft mit steigendem Tierschutzbewusstsein. Letzteres führt dazu, dass insbesondere den Junghengsten nicht zu früh zu viel zugemutet werden soll. Das Landgestüt Celle hat daher entschieden, seine Dreijährigen maximal auf zwei Hengstvorführungen zu zeigen und sie erst im September in den 14-Tage-Test zu schicken, nachdem die Mindestnoten ohnehin weggefallen sind.

Ein weiteres Thema war WFFS. Dr. Brockmann berichtete von lediglich zwei ihm bekannten Fällen nicht lebensfähiger Fohlen. Ein dritter Fall wurde aus der Züchterrunde gemeldet. Die Bedeckungszahlen der Trägerhengste sind im vergangenen Jahr rapide eingebrochen, so dass sich ihre Aufstellung kaum noch lohnt. Deshalb wurden diese Hengste im Landgestüt Celle bis auf wenige Ausnahmen aus dem Angebot genommen. WFFS-positive Hengste werden künftig nicht mehr angekauft.Die teils von weither angereisten Hannoveraner-Freunde konnten manche wertvollen Denkanstöße mit nach Hause nehmen.

Rudolf Drünert

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