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Verein Hannoverscher Warmblutzüchter in Schleswig-Holstein e.V.

Die Zucht von hannoverschen Pferden in Schleswig-Holstein hat eine lange Tradition. Diese wiederbelebt zu haben ist das Verdienst von 26 tatkräftigen Männern und Frauen, die 1981 unter dem Vorsitz von Karl-Wilhelm Beckmann aus Postfeld den Verein hannoverscher Warmblutzüchter in Schleswig- Holstein aus der Taufe hoben. Die Vereinsgründung war damals ein heikle Angelegenheit. Sowohl in Hannover als auch in Schleswig- Holstein galt es Vorbehalte auszuräumen. Zum einem war klarzustellen, dass es sich nicht um einen ersten Schritt einer politisch nicht erwünschten Ausdehnung des hannoverschen Zuchtgebietes in Richtung Bundeszucht handelte. Zum anderen sollten Irritationen im Verhältnis zum Holsteiner Verband vermieden werden. In der Zuchtgeschichte des Holsteiners sowie des Hannoverschen Pferdes wechselten Perioden einer gegenseitigen Beeinflussung und Befruchtung mit Phasen der mehr oder weniger strikten Abgrenzung. Hierbei spielten Änderungen des jeweiligen Zuchtzieles, einhergehend mit sich ändernden Nutzungsanforderungen, aber auch wirtschaftliche und politische Umwälzungen sowie Kriegshandlungen einer Rolle. 1867 wurde Schleswig-Holstein preussische Provinz. Das 1863 zunächst in Schleswig mit 12 bis 15 Hengsten gegründete Schleswig-Holsteinische Landgestüt wurde 1872 nach Traventhal bei Segeberg verlegt, nachdem hier Stallungen für 120 Hengste eingerichtet worden waren.

 

traventhal

 

Von hieraus versorgte es bis 1926 ausschliesslich das Zuchtgebiet der Geest und der östliche Bezirke von Schleswig-Holstein mit Hengsten. Das Gestüt hatte in erster Linie die Aufgabe, Pferde für den Bedarf des preussischen Heeres zu züchten. Diesen Anforderungen entsprach das damals im Lande vorhandene Pferdematerial nur unzureichend. Im Jahresbericht des ersten Gestütsdirektors Beck für 1867 beklagte dieser : “Die Einseitigkeit der bisher verfolgten Züchtung, die nur auf Erzielung eines schweren Pferdes ohne Forderungen irgendeiner Leistung gerichtet gewesen ist, hat den hiesigen Pferdeschlag zur weiteren Verwendung als zur einfachen Arbeitszwecken fast untauglich gemacht. Einen Beweis hierfür liefert die geringe Ausbeute der königlichen Remonte- Ankaufs- Kommission, durch welche nur acht Pferde im Herzogtum Schleswig gekauft worden sind, während alljährlich Tausend von Pferden aufgezogen werden.” Der Jahresbericht 1868 stellte fest : “Holstein, welches noch vor nicht ferner Zeit einen Ruf in seiner Pferdezucht genossen und einen bedeutenden Export hatten, hat nach allge- meinen Urteil hierin in den letzten 20 Jahren bedeutende Rückschritte gemacht. Die Ursache liegt vorzugsweise in dem geringen Wert, welchen man auf die edle Abstammung der benutzten Hengste gelegt, sowie an dem Mangel an fremdem Blut. Beide Fehler hat man in neuerer Zeit erkannt, und gelingt es, dem Lande ein solches Hengstmaterial zuzuführen so unterliegt es keinem Zweifel, dass die Benutzung dieser Hengste bei dem immer noch vorhanden guten Stutenmaterial erfreuliche Resultate liefern wird.” 1875 wurde eine neue Verordnung über Ankörung der Deckhengste erlassen, in welcher sich das angestrebte Zuchtziel niederschlug. Sie führte zu einer Abkörung vieler einheimischer Hengste mit exterieurmäßigen Mängeln und einer vermehrten Aufstellung nicht im Lande gezüchteter Hengste. Auf Grund der guten Eigenschaften, die Hannoveraner im Krieg unter Beweis gestellt hatten, aber auch wegen der im Gegensatz zu Ostpreussen und Oldenburgern sehr guten Bewährung im Lande wurde der Beschäler- bestand des Landgestütes Traventhal nach 1900 fast ganz auf Hannoveraner umgestellt.

Unter der züchterischen Schirmherrschaft des Gestütes wurde 1896 der “Verband der Pferdezuchtvereine der schleswig-holsteinischen Geestlande” mit Sitz in Eutin gegründet. Das Zuchtziel war “ein tiefes, vollrippiges Wagenpferd mit guten, räumenden Gängen, das in seinen besseren Exemplaren auch die Eigenschaft eines Reitpferdes für schweres Gewicht besitzt.”

 

Godewin Norenta

 

1923 wurde der Geestbrand eingeführt.

Geestbrand

1924 erschein zum ersten Mal das Schleswig-Holsteinische Stutbuch des Geestverbandes.

 

Nicht nur im dem Gebiet der holsteinischen Geest und nicht allein auf Grund der Zuchtpolitik der preussischen Landesregierung war die Zeit bis 1910 geprägt von einem starken Rückgang des Bestandes an Holsteiner Pferden auch in dem ursprünglichen Hochzuchtgebiet der Marsch. Während des Krieges 1870/71 lernten die Kriegsteilnehmer andere Zuchten kennen und schätzen und so wurde es auch zu einer Modeerscheinung, vermehrt Fremdblut in die heimische Zucht einzukreuzen. In den renommierten Körbezirken Seestermüher-Haseldorfer Marsch, Kremper Marsch und Wilster Marsch waren zwischen 1861 und 1910 im ganzen 720 Hengste, darunter 220 aus anderen Zuchtgebieten stammende aufgestellt. Es waren 10 Vollblüter, 13 englische Halbbluthengste, 122 Hannoveraner, 30 Oldenburger bzw. Ostfriesen, 19 Ostpreussen, 14 Mecklenburger, Brandenburger und Pommern, 4 Graditzer und Beberbecker, 2 Lauenburger, 2 amerikanische Traber, 1 Anglo-Normanne, 1 Schlesier, 1 Anglo-Araber und 1 Halbblut-Araber. Diese Entwicklung wurde von einem Teil der Züchterschaft vor allem aus dem alten Holsteiner Hochzuchtgebiet der Marsch mit Besorgnis und Ablehnung beobachtet. denn die Fremdblutzufuhr in diesem Ausmass war verbunden mit einem Verlust an einheitlicher Typengestaltung und Identität. Dies wurde von einigen besonders schmerzlich empfunden angesichts der Tatsache, dass die Pferdezucht in Holstein als eine der ältesten in Europa angesehen werden muss, deren Anfänge sich bis in das 13. und 14. Jahrhundert zurückverfolgen lassen. Bereits 1285 wurden im Kloster Uetersen in einer “Stuterei” Pferde gezüchtet. Über Jahrhunderte beeinflussten die Holsteiner Pferde die Zuchten in weiten Teilen des Kontinents, so in Dänemark, Italien, Frankreich und Spanien. Innerhalb Deutschland dienten sie zur Gründung von Gestüten wie in Dillenburg- Nassau, auch das hannoversche Landgestüt Celle begann im Jahre 1735 seinen Aufbau mit 12 Holsteiner Hengsten. Vor dem Hintergrund dieser Tradition bildeten sich 1883 in der Kremper Marsch, der Haseldorfer Marsch und in anderen Bezirken Zuchtvereine , deren Anliegen es war, das alte Holsteiner Blut vor dem Aussterben zu bewahren und es unter Vermeidung fremden Blutes in Reinzucht weiterzuzüchten.

 

1893 wurde ein eigenes Brandzeichen eingeführt

Brandzeichen

und 1897 erfolgte der Zusammenschluss zum “Verband der Pferdezuchtvereine in den Holsteiner Marschen”. Das Zuchtziel war ein edles, kräftiges Wagenpferd mit starken Knochen und hohen, räumenden Gängen, welches gleichzeitig möglichst die Eigenschaft eines schweren Reitpferdes besitzt”. Zuerst durch die Gründung getrennter Vereine und später durch deren Zusammenschluss zu den jeweiligen Zuchtverbänden wurde eine klare Trennung hinsichtlich Zuchtziel, Zuchtwahl und -methode deutlich. Hieraus ergaben sich unterschiedliche Absatzmärkte.

 

Operette

Pedigree Operette

 

 

Babett

 

Vor dem ersten Weltkrieg blühte die Pferdezucht in beiden Verbänden. Auf Grund des wirtschaftlichen Niedergangs in den zwanziger Jahren änderte sich dieses und vor allem der Marschverband war nun nicht mehr in der Lage, seine bäuerliche Hengsthaltung zu finanzieren. So war er gezwungen, seine verbliebenen 72 Hengste an das Landgestüt Traventhal zu verkaufen. Während dieses bisher nur für den Geestverband zuständig war, kam es 1926/27 zu einer Ausdehnung des Versorgungsbereiches auch auf die Marsch. Von jetzt an waren beide Zucht- richtungen, leichtere hannoversch geprägte Zucht und schwerere Holsteiner-Reinzucht im Gestüt vertreten. Trotzdem erhielten sich beide Zuchtverbände zunächst ihre Selbständigkeit und körten ihre Hengste und Stuten selber. Es mag nicht verwundern, dass angesichts der völlig entgegengesetzten Zuchtauffassung in beiden Verbänden Spannungen und Machtkämpfe auftraten, die sich unter den jetzt herrschenden Bedingungen verstärkten. Der Geest-Verband kam zu Beginn der 30iger Jahre zunehmend unter den Einfluss von Anhängern des Marsch- Verbandes. Diese machten Propaganda für einen Zusammenschluss beider Verbände und nutzten hierbei die stärkere Stellung im “Reichsnährstand” in Berlin sowie die damalige schwache Führung des Geest-Verbandes, um auf diese Weise Dominanz zu gewinnen und die hannoversche Zuchttradition zu beenden. Trotz eindringlichen Warnens und einer Mehrheit in der Züchterschaft konnten sich die Verteidiger der Selbständigkeit nicht durchsetzen und so erfolgt am 01.01.1935 auf Anordnung des “Reichsnährstandes” die Vereinigung zum “Verband der Züchter des Holsteiner Pferdes e.V.”. Diese Anordnung stiess nicht nur im Geest-Verband auf Ablehnung, auch im Marsch-Verband gab es grosse Unruhe, der Vorsitzende Martin Thomählen aus Moorhusen legte sein Amt mit sofortiger Wirkung nieder. Nachfolger wurde Jacob Hellmann, der sich schon sehr früh für die Vereinigung stark gemacht hatte. Wie vorausgesagt folgte jetzt die systematische Zurückdrängung des hannoverschen Blutanteils in der Zucht. 1945 waren von insgesamt 211 Beschälern des Landgestütes Traventhal 203 rein holsteinisch gezogen. Am 29.08.1960 wurde das Landgestüt Traventhal auf Grund des rapiden Rückgangs der Pferdezahlen und des damaligen Tiefstandes der Nachfrage aufgelöst. Von den zuletzt 52 verbliebenen Hengsten, unter denen sich kein Hannoveraner mehr befand, gingen 33 in das Eigentum des Holsteiner Verbandes über. Lange Jahre ist über Hannoveraner Pferde aus Schleswig-Holstein kaum gesprochen worden. Eine bedeutende hannoversche Zuchttradition drohte in Vergessenheit zu geraten. heute sind sie wieder da. Der Verein hannoverscher Warmblutzüchter in Schleswig-Holstein verfügt über 308 aktive Mitglieder , die mit 401 eingetragenen Stuten züchten. 30 vom Hannoveraner-Verband anerkannte Deckhengste sind 2002 im Lande aufgestellt. Ob als Bundessiegerstute wie “Pik Bubes Girl”.

 

Pik Bubes Girl

 

Ob als Spitzenvererber, Bundeschampion, Grand-Prix-Sieger wie “Davignon I”, “Davignon II“ (Z.: H. Rudnick. Kl.Rönnau), “Del Piero” (Z.: Dr. K. Haering, Fokbeck), “De Niro” (Z.: B. Pahl, Fokbeck) oder “Ritual” (Z.: D. Kothe, Wacken) tragen sie heute wie damals dazu bei, den guten Ruf des Hannoveraners in der Welt zu vermehren.

 

 

Verfasser: Rudolf Drünert, Cashagen

 

Quellen:

I Dr.Rossow, Dietrich , Hengstbuch der Holsteiner Warmblutzucht 1954
II Graf von Thun-Hohenstein, Romedio, Das Holsteiner Pferd, L.B. Ahnert-Verlag
III Dr. Rau, Gustav, Die deutschen Pferdezuchten 1911, Georg Olms-Verlag
IV Groscurth, Oberlandstallmeister, Die Preußische Gestütsverwaltung 1927, M.u.H.Schaper-Verlag
V Hannoversches Pferd Nr. 5/90
VI Buchholtz, Matthias H., Pressererklärung 1984
VII von Unger, Wolfgang, Die Ahnen des Hannoveraners 1928, M.u.H.Schaper-Verlag
 


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